Die Sternbilder

Seit Urzeiten haben die Menschen versucht, sich den Himmel und die Sterne zu erklären. Die Fragen "Was ist da oben?" und, vor allem, "Warum ist es?" haben sowohl eine naturwissenschaftliche als auch eine philosophische Dimension.

Es ist noch gar nicht so lange her, daß zwischen diesen beiden Disziplinen wenig oder überhaupt nicht unterschieden wurde. Für die Pythagoräer war die Erforschung der Natur und ihrer Ordnung und Schönheit (griechisch "Kosmos") zugleich ein Zugang zum Göttlichen. Noch Isaac Newton veröffentlichte seine bahnbrechenden, heute unter die Naturwissenschaft gerechneten Entdeckungen unter dem Titel "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica".

Der Mensch fühlte sich gleichermaßen heimisch und fremd in der Natur. Heimisch, weil sie seine unmittelbare Umgebung und Lebensquelle darstellte; fremd, weil er das "Was" und "Warum" ausgerechnet dieser Lebensgrundlage und auch des eigenen Ichs nicht sehen konnte. Der Versuch einer Überwindung dieses größten aller Rätsel ist der Anfang von Philosophie - und Religion. Zugleich dürfte dieser Versuch der wesentliche Punkt sein, der den Menschen vom Tier unterscheidet.

Heute ist die uns direkt umgebende Natur für Alltagszwecke ausreichend erklärt. Mit entsprechendem Optimismus versucht man den Weg weiterzugehen und das größte aller Rätsel zu lösen. In der Astronomie und Kosmologie (übrigens auch in der Teilchenphysik) wird die Unzugänglichkeit des Erforschten jedoch immer noch deutlich. Weder im Raum noch in der Zeit (siehe Raum und Zeit) können wir uns auch nur die geringste Hoffnung machen, die vielen spektakulären Objekte unseres Interesses selbst zu besuchen. Daher haben diese Wissenschaften noch heute ihren philosophischen Charakter behalten, und wir können uns dort fühlen wie die Menschen des Altertums, die gerade begonnen haben zu fragen.

Was man nicht erklären kann, das versucht man wenigstens zu ordnen. Aber gibt nicht gerade diese Ordnung bereits einen Hinweis auf erste Erklärungsversuche? Auf den folgenden Seiten haben wir uns vorgenommen, eine der ältesten Ordnungen des Himmels vorzustellen: unsere Sternbilder. Dies ist ein langwieriges Projekt, weil wir auch hier den Ehrgeiz haben, nur unsere eigenen Bilder zu verwenden. Bitte haben Sie daher Geduld.