Europa – Spanien (2026)

Die totale Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

Ganze siebenundzwanzig Jahre nach unserer letzten totalen Sonnenfinsternis (Aus der Ferne – Europa – Normandie 1999) gab es endlich wieder eine totale Sonnenfinsternis, für die man nicht um die halbe Welt reisen musste. Sie bewegte sich von Sibirien über Ostgrönland und Westisland nach Nordspanien, Südostspanien und die Balearen. Nach einigem Hin und Her stand recht schnell der optimale Ort für uns fest: das trockene Hochland um Burgos, südlich des spanischen Baskenlandes. Und wieder waren wir gut ausgerüstet. Für unsere weiteren Sonnenfinsternisbilder siehe Bilder – Sonne – Sonnenfinsternisse).

Ein feines Plätzchen

Panorama Nordspanien bot gute Bedingungen: geringe Wolkenwahrscheinlichkeit, viel Platz, Sehenswürdigkeiten genug für den Rest des Urlaubs, aber auch große Flächen ohne Wald oder höheren Bewuchs, der hätte brennen können, was in diesen Jahren nicht unwichtig geworden war. Wichtig war auch eine gute Sicht in Richtung Nordwesten, weil die Sonne anders als 1999 dieses Mal ziemlich niedrig über dem Horizont stehen würde.

Wir und andere Camper Es fand sich ein abgeerntetes Getreidefeld etwas nordwestlich des Dörfchens Villamayor de los Montes. Dort hatte sich bereits ein französischer Astronomieclub angesiedelt (auf dem Bild unter dem Zelt), der auch schon eine Genehmigung des Bauern eingeholt hatte, so dass wir (im dunklen Wohnmobil) dort ganz problemlos mit unserer Ausrüstung stehen konnten. Das Wetter war hervorragend, allerdings mit 38 °C auch extrem warm. Auf dem Bild ist Nordwesten rechts unten.

SoFi-Warnung an der Autobahn Der Staat war sehr fürsorglich. Bereits an der Autobahn erreichten einen wichtige Hinweise: „Sonnenfinsternis: Bitte nicht am Fahrbahnrand anhalten“ (hier auf Baskisch!), „Keine Fotos oder Videos aufnehmen“ und noch einige mehr. Tatsächlich kann man sich vorstellen, dass unwissende Autofahrer ganz schön erschreckt werden könnten … wie in vorgeschichtlichen Zeiten. Erschrecken konnte man sich auch über die auf dem Display abgebildete Art der Sonne-Mond-Finsternis.

Kein Ausblick ohne Ausrüstung

Justieren der Gerätschaften Anders als 1999, wo es bis kurz vor der Totalität noch geregnet hatte, war diesmal das Wetter gnadenlos heiß. Auch die zunehmende Verdunklung der Sonne (die man zunächst optisch gar nicht merkt, wenn man nicht durch die speziellen Filterbrillen sieht) hat daran nichts geändert. Weil die Sonne schon recht tief stand, war auch an Schatten kaum noch zu denken, sofern man sich nicht ins Abseits hinter dem Wagen begeben wollte. Neben Eis und kühlen Getränken konnte man sich mit dem Justieren der Geräte etwas ablenken, auch wenn es schon schwer fiel. Was gerade nicht benötigt wurde, verschwand hinter Rettungsdecken, um nicht zu überhitzen. Auf dem Bild ganz links: eine Nikon D610 mit 1000 mm-Spiegelobjektiv, ein Seestar S50 (beide mit Sonnenfilter) und rechts ein Fernglas mit Projektionsschirm. Alle drei Geräte wurden automatisch nachgeführt, damit man sich weniger bewegen und nicht in der Totalität erst noch die Sichtachse neu einstellen musste.

Projektion und Nordrichtung Auf diesem Bild zeigen sich die typischen Dackelaugen einer Fernglasprojektion während der Verfinsterung. Etwas unscheinbar: das gelbe Band mit dem roten Warnhütchen weiter rechts im Bild. Dieses zeigte die zuvor mit GPS genau bestimmte Nordrichtung an. Die Methode war fast dieselbe wie vor 27 Jahren in der Normandie: Erst einen Punkt mit GPS bestimmen und markieren, dann sich nach Süden begeben und dort so lange in ungefährer Ost-West-Richtung bewegen, bis das GPS denselben Längengrad anzeigt. Gelingt immer und macht natürlich viel mehr Spaß als ein simpler Kompass. Die Nordrichtung benötigt man – außer zum allgemeinen Überblick – zum Einstellen der Nachführungen.

Warten auf die Finsternis Und nun heißt es warten …. Und Eis essen. Und viel trinken. Mensch-ärgere-dich-nicht hilft ebenfalls. Der französische Astroclub verbrachte den Tag sogar fast geschlossen im kleinen Freibad des Dörfchens. (Davon haben wir keine Bilder.) Während der allmählichen Verfinsterung (vom ersten Kontakt, bei dem der Mond die Sonne außen „berührt“, bis zum zweiten Kontakt, dem Beginn der Totalität) merkt man fast nichts von dem nahenden Schauspiel, obwohl die absolute Helligkeit am Boden etwa um den Faktor 10000 abnimmt! Die Augen gleichen das ziemlich vollständig aus. Kurz vor der Totalität fällt allerdings der stark abnehmende Kontrast auf und man merkt, dass ganz plötzlich die Dämmerung einsetzt. Diese unheimliche Stimmung ist einer der Gründe, warum totale Sonnenfinsternisse so unvergleichlich sind.

Jetzt wird's dunkel

Panorama während Totalität Und so sieht es aus während der Totalität. Auch wenn ein Foto die Stimmung und die Lichtverhältnisse nie ganz wiedergeben kann, erkennt man hier die Dunkelheit, die fehlenden Kontraste, aber auch, dass der Mondschatten den Himmel nicht ganz verdunkelt. Der Mond zog von rechts nach links an der Sonne vorüber. Links (Richtung Süden und Südwesten) war der Himmel noch einigermaßen hell, während er rechts schon stark verdunkelt war. Aber auch dort sieht man schwach schon wieder das neue Abendrot erscheinen.

Auf diesem Bild wurde die Korona der Sonne durch lange Belichtung und Kontrastverstärkung besonders hervorgehoben. (Die Sonnenfinsternis bot die Chance, dieses Wort wieder aus seiner Schmuddelecke von vor ein paar Jahren herauszuholen.) Im Vergleich zu 1999 war sie wesentlich ausgeprägter und reichte viel weiter in den Weltraum. Die Korona ist die äußere gasförmige Schicht der Sonne, sie erstreckt sich kugelförmig um die Sonnenoberfläche herum und ist – aufgrund immer noch nicht vollständig verstandener Wärmetransportprozesse – mit ca. 1,5 Mio. Grad ganz erheblich heißer als die Sonnenoberfläche mit „nur“ etwa 6000 °C. Dennoch wird sie normalerweise von der Sonnenoberfläche vollkommen überstrahlt und kann, sofern man keinen großen technischen Aufwand treibt, nur während einer totalen Sonnenfinsternis gesehen werden.

Belichtet man weniger und holt man nachträglich mehr Kontrast aus dem digitalen Bild, erkennt man die deutlich helleren, aber rötlichen Protuberanzen. Eine größere ist auf dem großen Bild links oben zu erkennen. Protuberanzen sind Gaswolken, die aus der Sonnenoberfläche ausbrechen und entweder einen Bogen zu ihr zurück machen oder aber schließlich abgeworfen werden, so dass sie in den Weltraum fliegen. Wenn so etwas die Erde erreicht, entstehen Polarlichter, siehe Bilder – Polarlichter. Man muss dazu wissen, dass die Gase, aus denen die Sonne besteht, aufgrund der hohen Temperaturen nicht mehr aus normalen Atomen oder Molekülen bestehen, sondern aus Atomkernen und frei herumfliegenden Elektronen. Diese „Plasma“ genannten Gase reagieren auf Magnetfelder, und umgekehrt bewegen und verwirbeln sich die magnetischen Feldlinien zusammen mit den Gasen. Diese gegenseitige Abhängigkeit macht die Prozesse in und auf der Sonne zu schwierig zu verstehen.

Zum Abschluss noch ein Zeitraffervideo der Totalität und des wandernden Mondschattens. Es wurde aus Einzelbildern zusammengestellt, die im Zeitraum von ca. sieben Minuten rund um die Totalität alle fünf Sekunden aus der Luft aufgenommen wurden. Zusätzlich wurde manuell der Helligkeitsverlauf nachgeahmt, indem nachträglich die Belichtungen ein wenig angepasst wurden.

Und wer ganz genau hinsieht (am besten im Vollbildmodus), erkennt an der Straßeneinmündung links unterhalb des grünen Sonnenschirms ganz klein die veränderliche Sonnensichel als ebenfalls grüne Reflexion im Objektiv!

Es geht weiter …

Die nächste aus Europa zu beobachtende totale Sonnenfinsternis wird am 2. August 2027 über Südspanien und den nordafrikanischen Mittelmeerländern stattfinden. Wir planen wieder, dabei zu sein! Denn die übernächste in Europa ist erst für das Jahr 2081 vorgesehen – das wird dann wohl etwas für unsere Nachfolger …